Die Enttäuschung darüber, jenes Talent, das im Januar bereits bei Hertha mittrainiert hatte, nicht bekommen zu haben, hielt sich bei Berlins Bossen in Grenzen. Zum einen war das Verhandlungsgebaren des Kula-Präsidenten undurchsichtig, zum anderen hatte Fejsa eine eher mäßige Rückrunde absolviert - und außerdem hatte sich Hertha längst anderweitig umgesehen.
Diese Vorarbeit könnte sich jetzt auszahlen. Hertha ist heiß auf den Brasilianer Ibson (24), den der FC Porto derzeit an Flamengo ausgeliehen hat. Bei seinem Heimatverein blühte der zentrale Mittelfeldspieler auf. Kenner loben seine Qualitäten in der Spieleröffnung und seinen Offensivdrang, seit seiner Rückkehr nach Brasilien gelangen Ibson in 28 Erstliga-Spielen für Flamengo zehn Treffer. Das ist genau jene Qualität, die Favre bei Ibsons Landsmann Mineiro (32) vermisst. Der brasilianische Nationalspieler und Hertha - dieses Kapitel geht nach eineinhalb Jahren mit 36 Bundesliga-Einsätzen und zwei Toren zu Ende. Wie der Hauptstadt-Klub am Montag mitteilte, wird der ausgelaufene Vertrag mit dem Mittelfeldspieler nicht verlängert.
Mineiro hatte die von Hertha gesetzte Frist für einen neuen Zweijahresvertrag zu reduzierten Grundbezügen (Zu- oder Absage bis Ende Mai) verstreichen lassen und Mitte Juni mit einer Gegenforderung gekontert. "So groß", sagt Dieter Hoeneß, "ist die Differenz nicht." Trotzdem erhöhte der Manager sein Angebot nicht. Mineiro, der in Europa bleiben wollte, liegen Anfragen aus Brasilien und Katar vor.
Den umgekehrten Weg - den nach Berlin - soll in Kürze Mohamed Chermiti (20) nehmen. Der tunesische Angreifer verlor mit seinem Klub Etoile Sportive du Sahel am Samstag das Pokalfinale (1:2 gegen Esperance de Tunis). Dass er diesen Wettbewerb noch zu Ende spielt, war der ausdrückliche Wunsch seines Klubs - jetzt könnte der Weg nach Berlin frei sein für Chermiti, der sich mit Hertha seit Monaten über einen Vierjahresvertrag einig ist.
"Wir hoffen, dass dieser Transfer klappt", sagt Hoeneß. "Sollte es anders kommen, sind wir vorbereitet." Jeweils ein Zugang fürs defensive Mittelfeld, fürs offensive Mittelfeld und den Angriff, dazu perfekte und sich abzeichnende Abgänge (Lakic; Cubukcu wechselt für 300 000 Euro Ablöse zu Genclerbirligi)) - Hoeneß hat viel Arbeit vor sich. Die will er zunächst von Berlin aus bewältigen, während die Mannschaft am Samstagabend in Stegersbach/Österreich ihr Quartier aufschlug.
Steffen Rohr
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